Zwei Menschen. Ähnliches Englischniveau. Gleiche Situation. Und trotzdem: Der eine überzeugt – der andere nicht. Was macht den Unterschied? Vokabular und Sicherheit spielen eine Rolle – keine Frage. Aber häufig ist es etwas anderes das den entscheidenden Ausschlag gibt: der Antrieb hinter dem Sprechen.
Ich beobachte dieses Phänomen seit über 20 Jahren. Und ich habe gelernt: Fehlende Vokabeln lassen sich lernen – das ist der handwerkliche Teil. Aber was häufig den Unterschied zwischen jemandem der spricht und jemandem der begeistert macht, ist der Antrieb dahinter. Eine Neuausrichtung dieses Antriebs verändert die Wirkung – oft schneller als man erwartet.
Und dieser Antrieb hat vier Gesichter. Eines davon kennen Sie vielleicht von sich selbst.
Welcher Satz trifft auf Sie zu?
Lesen Sie die vier Aussagen und halten Sie inne bei der, die Sie am meisten anspricht:
"Mein Englisch ist nicht gut genug."
Sie kennen Ihr Fachgebiet – aber auf Englisch bleiben Sie lieber im Hintergrund. Der Wunsch nach guten Beziehungen ist da. Aber die Angst vor Blamage ist stärker.
Was fehlt: der Antrieb dass es Ihrem Gegenüber gut geht – stärker als die Angst vor Fehlern.
"Bestimmte Situationen auf Englisch stressen mich total."
In vertrauten Gesprächen sind Sie entspannt. Aber sobald es schnell wird, unerwartet oder technisch – bricht Stress aus. Nicht wegen mangelndem Englisch, sondern weil das passende Werkzeug für genau diese Situation fehlt.
Was fehlt: konkrete Strategien für Ihre spezifischen Stresssituationen.
"Ich warte bis mein Englisch besser geworden ist."
Sie schieben bestimmte Aufgaben, Gespräche, Präsentationen vor sich her. Der richtige Moment kommt nie – weil das Warten selbst zur Gewohnheit wird.
Was fehlt: der tägliche kleine Beweis dass Sie es bereits können.
"Ich weiß nie ob mein Englisch wirklich richtig ist."
Sie sprechen – aber danach bleibt ein Gefühl der Unsicherheit. Kam das so an wie ich es meinte? War das professionell genug? Sie suchen nach Stimmigkeit zwischen dem was Sie meinen und dem was ankommt.
Was fehlt: häufiges, konkretes Feedback das Klarheit schafft.
"Hinter jeder dieser vier Aussagen steckt ein Antrieb der stärker ist als die Angst vor dem falschen Wort. Man muss ihn nur finden."
– Hagen GlatzleWas begeisternde Englischsprecher gemeinsam haben
Menschen die auf Englisch begeistern, haben nicht zwingend besseres Englisch. Was sie haben, ist ein Antrieb der auf voller Stufe läuft. Ich beobachte in meinen Trainings immer wieder dieselben vier Merkmale wenn das passiert:
Freude am Gelingen – auch wenn es nicht perfekt war. Ein Gespräch das funktioniert hat obwohl Worte gefehlt haben, begeistert sie mehr als ein fehlerfreier Satz.
Unbekümmertheit – nicht im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern von Leichtigkeit. Sie hängen nicht an jedem Wort. Sie lassen los. Und das spürt das Gegenüber sofort.
Stolz über das Bewirkte – nicht über das Gesagte. Was zählt ist nicht wie es geklungen hat, sondern was dadurch möglich wurde: eine Idee wurde verstanden, ein Vertrauen wurde aufgebaut, ein Problem wurde gelöst.
Neugieriges Entdecken – sie suchen täglich nach kleinen Momenten wo Englisch gelingt. Und jede Entdeckung zündet einen Glücksfunken der sie weitertreibt.
Ein Mensch der mit Freude und Überzeugung spricht – und dabei authentisch bleibt – entwickelt eine Anziehung die kein Sprachkurs der Welt vermitteln kann.
Der erste Schritt
Hinter jeder der vier Aussagen steckt ein ganz konkreter Antrieb. Ein Wunsch nach guten Beziehungen. Nach Sicherheit. Nach Selbstwirksamkeit. Nach Stimmigkeit. Und dieser Wunsch ist stärker als jede Sprachbarriere – wenn man ihn bewusst macht.
Genau das ist der erste Schritt. Nicht mehr Vokabeln lernen. Nicht einen weiteren Kurs belegen. Sondern herausfinden: Was ist mir wichtiger als perfektes Englisch?
Wer diese Frage beantwortet hat, spricht doppelt so viel Englisch. Nicht weil er mehr kann – sondern weil er weiß warum er spricht. Und wer neugierig anwendet, baut Beziehungen, erreicht Ziele – und wird dabei mit jedem Gespräch besser.
Passend dazu: Warum Sie auf Englisch anders klingen als Sie sind – und was das mit Ihrem Antrieb zu tun hat.
Artikel lesen →Auch interessant: Die 5 häufigsten Fehler deutscher Führungskräfte auf Englisch – und wie man sie vermeidet.
Artikel lesen →