Sie kennen Ihr Fachgebiet in- und auswendig. Auf Deutsch sind Sie überzeugend, klar, authentisch. Und auf Englisch? Klingt es plötzlich steif. Unsicher. Irgendwie nicht wie Sie. Das liegt häufig am Englisch – an fehlendem Vokabular, an Unsicherheit. Und doch: Eine Neuausrichtung des Antriebs verändert die Wirkung oft mehr als jeder weitere Sprachkurs.
Ich erlebe das regelmäßig in meinen Trainings. Menschen die auf Deutsch brillante Gesprächspartner sind – witzig, schlagfertig, souverän. Und auf Englisch wirken sie wie eine abgeschwächte Version von sich selbst.
Fehlende Vokabeln und Unsicherheit sind real – und lassen sich durch Training gezielt angehen. Aber es gibt einen Gedanken der zusätzlich bremst und den viele nicht auf dem Schirm haben: "Ich muss aufpassen, dass ich keinen Fehler mache." Dieser Gedanke setzt den inneren Kritiker ans Steuer – und kostet oft mehr Wirkung als die fehlenden Wörter selbst.
Drei Stufen – und wie sie Ihre Wirkung verändern
In meiner Arbeit beobachte ich drei verschiedene Antriebe – drei Stufen auf denen der innere Motor laufen kann. Jede Stufe erzeugt eine andere Wirkung. Nicht wegen des Englischniveaus. Wegen der inneren Haltung.
Englisch meiden
Sie schützen sich vor Fehlern indem Sie schweigen oder ausweichen. Sicherheit durch Rückzug.
Englisch wegen anderer
Sie sprechen – aber Sie warten auf Bestätigung. Jeder Satz wird innerlich bewertet bevor er kommt.
Englisch aus eigenem Antrieb
Sie sprechen weil Sie etwas erreichen wollen – eine Beziehung aufbauen, eine Idee einbringen, etwas bewegen.
Der Unterschied zwischen Stufe 2 und Stufe 3 ist kein Sprachkurs. Es ist die Antwort auf eine einzige Frage.
Die Frage die alles verändert
Stellen Sie sich vor, Sie betreten das nächste internationale Meeting. Und bevor Sie den ersten Satz sagen, fragen Sie sich nicht: "Wie sage ich das richtig?" – sondern:
"Was ist mir in diesem Gespräch wichtiger als perfektes Englisch?"
Vielleicht möchten Sie eine Idee verständlich machen. Vielleicht wollen Sie Vertrauen aufbauen. Vielleicht möchten Sie einfach präsent sein und gehört werden.
Sobald die Antwort auf diese Frage größer wird als die Angst vor dem falschen Wort – verändert sich Ihre Wirkung. Ohne dass Sie ein einziges neues Wort gelernt haben.
"Was Ihren Gesprächspartner wirklich begeistert, ist nicht ob Ihr Englisch fehlerfrei ist. Es ist die Wirkung eines Menschen der mit Freude und Überzeugung spricht – und dabei authentisch bleibt."
– Hagen GlatzleWarum das funktioniert
Wenn Ihnen etwas wichtiger ist als Perfektion, passieren drei Dinge gleichzeitig:
Erstens: Sie werden neugierig. Sie suchen aktiv nach Worten und Wegen – statt Lücken zu vermeiden.
Zweitens: Sie wollen sich mitteilen. Der Wunsch die Beziehung zu vertiefen ist stärker als die Kontrolle über jeden Satz.
Drittens: Sie freuen sich wenn es gelingt – auch wenn es nicht perfekt war. Und diese Freude ist der Antrieb für das nächste Gespräch.
Englisch ist ein Werkzeug. Um Beziehungen zu bauen, Ziele zu erreichen, Expertise zu zeigen. Wer das verinnerlicht hat, klingt auf Englisch wie er wirklich ist.
Was Sie jetzt tun können
Schreiben Sie vor Ihrem nächsten Gespräch auf Englisch einen einzigen Satz auf:
"Mir ist in diesem Gespräch wichtiger, dass ___________."
Füllen Sie die Lücke. Das ist Ihr persönlicher Antrieb. Und er ist stärker als jede Sprachbarriere – weil wer weiß warum er spricht, mit Freude anwendet. Und wer mit Freude anwendet, wächst.
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